Toni Hofreiter über die Autoindustrie

Ein Interview in der taz: LINK

taz: Herr Hofreiter, deutsche Autokonzerne haben sich gezielt abgesprochen, um Abgasgrenzwerte zu umgehen. Wie groß ist der Schaden?

Anton Hofreiter: Wenn sich die Kartellabsprachen bestätigen, sind sie einer der größten Industrieskandale der Bundesrepublik. Daimler, Volkswagen und Co. haben Millionen Menschen betrogen: sowohl die Bevölkerung in Städten, wo jährlich Tausende an Luftverschmutzung vorzeitig sterben, als auch die Käufer, die dachten, sie bestellten einen sauberen Diesel. Und nicht zuletzt die Beschäftigten in der Auto­industrie, die den Skandal am Ende ausbaden werden.

Was muss nun passieren?

Die Autos, die jetzt auf der Straße sind, müssen die Grenzwerte einhalten. Die Regierung muss die Autokonzerne dazu verpflichten, sie entsprechend nachzurüsten. Man muss sich mal klar machen: Sauber konstruierte 40-Tonnen-Lkws stoßen weniger Schadstoffe aus als schmutzige Kleinwagen, die die Konzerne als sauber verkauft haben.

Und ein Kommentar in der faz: LINK

Die wichtigste und größte deutsche Branche demontiert sich in einem Tempo, dass man gar nicht mehr mitkommt. Den Rest der deutschen Industrie treibt schon die Sorge um, die Skandale der Autohersteller könnten auch sie nach unten ziehen. Der gute Ruf von „Made in Germany“ ist in Gefahr. Über Jahre betrog Volkswagen, der größte Hersteller der Welt, mit manipulierten Dieselfahrzeugen seine Kunden, Umweltbehörden, Politiker und die Öffentlichkeit. Erst vor kurzem wurde bekannt, dass die VW-Konzernmarke Audi ebenfalls mit illegaler Software die Abgasprüfer narrte. Jetzt entzog der Verkehrsminister einem Modell der VW-Edelmarke Porsche wegen Betrugs sogar die Zulassung. Das ist der vorläufige Höhepunkt in der nach oben offenen Skandalskala der deutschen Autoindustrie.

Fabian Müller-Klug, geboren in München, leidenschaftlicher Radfahrer und -bastler. Liest gerne, diskutiert lieber differenziert als verkürzt.

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